Alte Mainbrücke: Einseitiger Vorstoß der Stadt stößt auf Unverständnis

Mit den Verkehrsverbänden ADFC und VCD sowie dem Bund Naturschutz lehnt die AG Radverkehr das neue, nur an Radfahrende gerichtete Schild »Zu viel Leut‘, da schieb ich heut‘!« auf der Alten Mainbrücke rundherum ab. Wir wollen einen fairen Umgang unter allen Brückennutzern erreichen und nicht einseitig eine Nutzergruppe an den Pranger gestellt sehen – nichts anderes jedoch macht dieses Schild, das laut Aussagen von Oberbürgermeister Schuchardt und der Verwaltung alle Brückennutzer ansprechen soll, tatsächlich aber nur eine Gruppe explizit erwähnt und ihr ein eindeutiges Verhalten vorschreibt vorschlägt. Herbert Kriener von der Main-Post beschreibt das Problem folgendermaßen: »Der Brückenschoppen auf der Alten Mainbrücke ist zu einer Attraktion für Einheimische und Touristen geworden. Doch bei schönem Wetter herrscht dort schnell Gedränge. Vor allem rücksichtslose Menschen sorgen dann für Ärger. Die Stadtverwaltung hat jetzt reagiert.« Nein, Späßle: natürlich steht da nicht rücksichtslose Menschen, sondern rücksichtslose Radfahrer – weiter geht’s mit der fröhlichen verbalen Jagd auf alle, die mit dem Rad die Alte Mainbrücke fahrend queren wollen …

Seit letztem Donnerstag hängt dieses Schild an beiden Seiten der Alten Mainbrücke. Wen spricht es an? Alle? Wirklich? …

»Dieses Schild löst den Konflikt nicht, sondern trägt eher noch dazu bei, dass sich die Konflikte verstärken«, sagt Thilo Wagenhöfer, Vorstandsmitglied im Kreisverband Würzburg des ADFC. »Der einseitige Appell an Radfahrende ermutigt in der Brückenmitte Stehende, das Absteigen zu erzwingen – sie brauchen ja nur auf das Schild zu verweisen.«

»Schiebende Radfahrer brauchen doppelt soviel Platz wie langsam fahrende«, meint Hans-Jürgen Beck, aktiv in den Radverkehrsorganisationen und Vorstandsmitglied beim Bund Naturschutz. »Wieso wäre damit eine Verbesserung der Situation erreicht?«

»Es wäre viel logischer, wenn alle Brückennutzer um Rücksicht gebeten werden und nicht nur die Radfahrenden«, ergänzt Bas Bergervoet, Sprecher der AG Radverkehr der Lokalen Agenda 21. »Auch Radfahrende und Mitglieder der Radverkehrsorganisationen trinken gerne einmal einen Wein auf der Brücke, Rücksichtnahme muss von allen Seiten kommen.«

Entgegen der ursprünglichen Beteuerungen der Stadt, mit Kontingentierung der ausgegebenen Gläser oder patrouillierenden Sicherheitsdiensten auf der Brücke für Ordnung zu sorgen, zeigt sich in der Realität, dass diese Maßnahmen nicht greifen. Nicht etwa, weil sie nicht wirkungsvoll wären, sondern weil sie kaum durchgeführt und nicht kontrolliert werden. Der Vorstoß zweier Stadträte im Sommerloch 2016, die Alte Mainbrücke vollständig für den Radverkehr sperren zu lassen, wurde vom Ferienausschuss des Stadtrates eindeutig und klar abgelehnt, nämlich mit 12:5 Stimmen (und nicht, wie fälschlich von der Main-Post behauptet, mit »knapper Mehrheit« von 7:5).

»Wieder einmal wird verdeutlicht wie weit Würzburg noch von Fahrradfreundlichkeit entfernt ist«, kommentiert Armin Amrehn, Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg des Bund Naturschutz. »Soll man nun dankbar dafür sein, dass nicht gleich ein Verbot ausgesprochen wurde, sondern erst einmal ein freundlicher Appell?«

»Nicht nur für Radfahrende, sondern auch für Fußgänger, insbesondere Eltern mit Kinderwägen, Rollstuhlfahrer und Passanten mit großen Einkaufstaschen ist bei schönem Wetter kaum ein Durchkommen«, ergänzt Christian Loos, Vorsitzender des VCD, Kreisverband Mainfranken-Rhön. »Warum nicht einfach eine Gasse in der Mitte der Brücke frei lassen und langsam fahren?«

Der schnelle Gegenentwurf stand nach wenigen Minuten – mit etwas mehr Nachdenken hätte auch der Stadtverwaltung etwas einfallen können, das wirklich alle anspricht …

Diese Idee greift ein schneller Entwurf auf, den Jochen Kleinhenz, Grafiker und Mitarbeiter bei der AG Radverkehr, gestaltet hat. »So oder so ähnlich könnte ein Schild aussehen, das die Situation für alle aufzeigt und alle anspricht«, appelliert er an die Vernunft der Stadtverantwortlichen. Der Entwurf wurde Oberbürgermeister Schuchardt bereits vorgelegt.

Ein Gedanke zu „Alte Mainbrücke: Einseitiger Vorstoß der Stadt stößt auf Unverständnis“

Schreibe einen Kommentar