Radfahren in der Stadt: Auf der Fahrbahn, auf Radwegen, auf Fußwegen?

Das Fahrrad ist ein Fahrzeug und daher besteht zunächst einmal die Pflicht, die Fahrbahn zu benutzen. In der Stadt ist die Nutzung der Fahrbahn erwiesenermaßen auch die sicherste Art, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen, zumindest, wenn es sich nicht um vielbefahrene Durchgangsstraßen handelt. Denn: Von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen zu werden, erhöht die Sicherheit und vermeidet Gefahrenpunkte, die bei abseitigen Radwegen beispielweise an Kreuzungen und Ausfahrten bestehen, wo abbiegende Kraftfahrzeugführer nicht mit Radfahrenden abseits der Fahrbahn rechnen. Auf der Fahrbahn können als Schutzmaßnahmen für Radfahrende eigene Radfahrstreifen oder Schutzstreifen neben dem motorisierten Verkehr abmarkiert werden.

Für das Befahren der Fahrbahn muss man aber ein paar Grundregeln beachten:

  • Fahre vorausschauend und eindeutig, also berechenbar für andere! Richtungs- und Spurenwechsel sollen ersichtlich angekündigt werden. Handzeichen können dabei hilfreich sein, sind aber nicht vorgeschrieben, denn beide Hände am Lenker zu haben, sichert die Bremsbereitschaft.
  • Fahre nach außen selbstbewusst, nach innen aber defensiv! Du bist Teil des Verkehrs und hast die gleichen Rechte und Pflichten wie andere Verkehrsteilnehmer. Fahre daher geradeaus und schere zwischendurch nicht in Lücken ein, denn dieses könnte Autofahrer zu schnellen und gefährlichen Überholmanövern verleiten. Du solltest aber immer mit dem Fehlverhalten von anderen rechnen, also kalkuliere das in deine Fahrweise ein.
  • Du solltest ausreichend Abstand halten, zum rechten Fahrbahnrand einen halben bis einen Meter, zu parkenden Autos mindestens einen Meter! Die richtige Position ist oft die Stelle, wo Autos mit den rechten Rädern entlang fahren.
  • Bei Dämmerung und Dunkelheit unbedingt Licht einschalten! Die eigene Wahrnehmung täuscht – man wird ohne ausreichende Fahrradbeleuchtung nicht oder viel zu spät gesehen.

Es können aber auch besondere verkehrsrechtliche Anordnungen getroffen werden, die es den Radfahrenden erlauben oder sogar verpflichten, abseits der Fahrbahn zu radeln – aber nur dann, wenn dies aus Gründen der Verkehrssicherheit tatsächlich erforderlich ist.

Auf Fußwegen haben ohne besondere Erlaubnis Radfahrende nichts zu suchen! Allerdings: Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern den Fußweg benutzen. Die Problematik hierbei: Werden Kinder von Erwachsenen begleitet, müssen letztere trotzdem die Fahrbahn nutzen – oft ein Dilemma, das gesetzgeberisch nicht gelöst ist.

Benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen

Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass auf blauem, kreisförmigen Untergrund ein weißes Fahrradpiktogramm aufgebracht ist. Nur auf diese Weise markierte Wege müssen von Radfahrenden benutzt werden!
Wege, die mit dem StVO-Zeichen 237 versehen sind, sind ausschließlich dem Radverkehr vorbehalten, andere Verkehrsteilnehmer dürfen diese nicht benutzen.

Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer
Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer

Radwege sind Radverkehrsanlagen, die von der Fahrbahn baulich abgetrennt sind.

Radfahrstreifen werden dagegen auf der Fahrbahn markiert. Sie sind durch einen breiten durchgezogenen Begrenzungsstrich von der restlichen Fahrbahn abgetrennt und inklusive diesem mindestens 1,85 m breit, sowie mit einem 0,5 – 0,75 m breiten Sicherheitstrennstreifen zu Parkständen versehen.

Abb. 1: baulich abgetrennter Radweg entlang des Ludwigskais
Abb. 1: baulich abgetrennter Radweg entlang des Ludwigskais
Abb. 2: Radfahrstreifen gegen die Einbahnrichtung in der Adalberostraße
Abb. 2: Radfahrstreifen gegen die Einbahnrichtung in der Adalberostraße

Übrigens: In Tempo 30-Zonen dürfen keine benutzungspflichtigen Radwege oder Radfahrstreifen ausgewiesen werden.

Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer
Zeichen 241 StVO, getrennter Rad- und Fußweg

Zeichen 241 StVO, getrennter Rad- und Fußweg: Das Zeichen 241 wird dann angebracht, wenn der Radweg unmittelbar neben dem Fußweg verläuft, oft nur durch eine durchgezogene Linie abmarkiert.

Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer
Zeichen 240 StVO, gemeinsamer Rad-/Fußweg

Zeichen 240 StVO, gemeinsamer Rad-/Fußweg: Auch diese Wege müssen von Radfahrenden genutzt werden. Der Radverkehr ist zudem angehalten, auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen. Gemeinsame Geh- und Radwege, müssen mindestens 2,50 breit sein, bei Fahrradbegegnungsverkehr (Zweirichtungsradweg) und/oder hohem Fußgängeraufkommen müssen sie aber erheblich breiter gestaltet sein.

Die Benutzungspflicht der eben beschriebenen Radverkehrsanlagen entfällt nur dann, wenn deren Nutzung unzumutbar ist. Dem sind aber enge Grenzen gesetzt, z.B. dann, wenn parkende Autos oder andere Hindernisse den Weg unpassierbar machen, Schnee und Eis eine Befahrung nicht zulassen oder Baustellen einer Nutzung entgegenstehen. Dann darf aber nicht auf den Gehweg ausgewichen werden, es muss stattdessen die Fahrbahn benutzt werden.

Nicht benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen

Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer
Fußweg (Zeichen 239 StVO) mit Zusatzzeichen Radfahrer frei (1022-10 StVO)

Wege mit dem Zeichen „Radfahrer frei“ dürfen von Radfahrenden genutzt werden, müssen aber nicht! Radfahrende können hier auch auf der Fahrbahn fahren. Auf solchen freigegebenen Gehwegen müssen Radfahrende ihre Geschwindigkeit anpassen und dem Fußgänger Vorrang einräumen. Dies gilt auch für solche Fußgängerzonen, die für den Radverkehr freigegeben sind.

Abb. 3:"Gehweg / Radfahrer frei" entlang des Ludwigkais
Abb. 3:“Gehweg / Radfahrer frei“ entlang des Ludwigkais

Eine weitere Form einer Radverkehrsanlage ohne bauliche Trennung von der Fahrbahn ist der Schutzstreifen. Er darf von Kraftfahrzeugen nur im Bedarfsfall befahren werden (z.B. Begegnungsverkehr). Fahrzeuge dürfen dort nicht parken. Die Begrenzungslinie zur Fahrbahn ist durchbrochen, nicht durchgezogen wie bei den Radfahrstreifen. Er ist im engen Sinn zwar nicht benutzungspflichtig, durch das allgemeine Rechtsfahrgebot ergibt sich diese aber automatisch. Er soll in der Regel 1,50 m breit sein, mindestens aber 1,25 m. Leider sind in Würzburg viele Schutzstreifen nur mit Mindestbreite abmarkiert. Für die Sicherheit der Radfahrenden wären breitere Streifen wünschenswert.

Abb 4: Neue Schutzstreifen in der Franz-Ludwig-Straße, leider auch hier nur Mindestbreite, obwohl Teil der Radverkehrshauptachse 1!
Abb 4: Neue Schutzstreifen in der Franz-Ludwig-Straße, leider auch hier nur Mindestbreite, obwohl Teil der Radverkehrshauptachse 1!

Fehlt bei „Radwegen“ die blaue Beschilderung, handelt es sich um sogenannte „Andere Radwege„. Sie sind ebenfalls nicht benutzungspflichtig – auch wenn Fahrradpiktogramme auf dem Weg aufgebracht sind und sie parallel zur Fahrbahn verlaufen! Es kann auch die Fahrbahn befahren werden, aber nicht der Fußweg! Nur Radfahrende dürfen diese Wege nutzen, andere Verkehrsteilnehmer nicht. Nicht immer ist dies den Verkehrsteilnehmern auch bekannt und führt leider oft zu Fehlverhalten. Auch in Würzburg ist in den letzten Jahren bei vielen Radwegen die Benutzungspflicht aufgehoben worden. Beispiele für solche „Anderen Radwege“ in Würzburg sind aus den folgenden Abbildungen zu ersehen.

Abb. 5: Beispiele für nicht benutzungspflichtige „Andere Radwege“ in Würzburg:

5a: Seinsheimstraße
5a: Seinsheimstraße

5b: Frankfurter Straße
5b: Frankfurter Straße
5c: Balthasar-Neumann-Promenade
5c: Balthasar-Neumann-Promenade
5d: Ottostraße
5d: Ottostraße
5e: Erthalstraße
5e: Erthalstraße

Vorrang für Radfahrende – Fahrradstraßen

Zeichen 237 StVO, Sonderweg Radfahrer
Fahrradstraße (Zeichen 244 StVO)

In Fahrradstraßen haben Radfahrende Vorrang vor dem Kraftfahrzeugverkehr. Dieser kann mit Hilfe von Zusatzzeichen zugelassen werden, Radfahrende sind aber bevorrechtigt und dürfen hier auch nebeneinander fahren. Leider gibt es in Würzburg keine Fahrradstraßen – ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich in der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Bayerns e.V.“ etablieren möchte.

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