So geht fahrradfreundlich NICHT – wieder neues Beispiel aus Würzburg

Im Zuge der Abrissarbeiten der Brücke über die Raiffeisenstraße kommt es zu einer einwöchigen Totalsperrung in der Schweinfurter Straße. Während man sich bei der zuständigen FA Tiefbau um eine Umleitung des motorisierten Verkehrs bemüht und dafür auch bestehende Verkehrsführungen, etwa im Stadtteil Grombühl, vorübergehend abändert und an die neue Verkehrslage anpasst, hat man leider für eine Gruppe keine Alternative parat: für die Verkehrsteilnehmer, die aus Versbach und Lengfeld in die Stadt mit dem Fahrrad fahren.

Dass die Verbindung von der Stadtmitte nach Versbach und Lengfeld schon seit Jahr(zehnt)en von den Radfahrenden kritisiert wird, steht auf einem anderen Blatt. Dass diese aber nun scheinbar eine Woche lang zumindest stadteinwärts auf das Rad verzichten sollen – nichts anderes legt die Pressemitteilung der Stadt Würzburg zur Vollsperrung und zur fehlenden Alternativroute für den Radverkehr nahe –, macht die offiziell beschlossene Radverkehrsförderung in Würzburg aber eher unglaubwürdig.

Wir dokumentieren den Vorgang anhand der Zeitungsmeldung der Mainpost vom 28.11.2015 (S. 25 unten), der Meldung von Mainpost online von heute sowie der Pressemitteilung (inkl. Fotos) des AK Eine Welt (u.a. Veranstalter des Versbacher Fahrradsonntags).

Meldung in der Mainpost (Printausgabe) vom 28.11.2015, Seite 25 unten
Meldung in der Mainpost (Printausgabe) vom 28.11.2015, Seite 25 unten

Pressemitteilung des AK Eine Welt Versbach zur Vollsperrung der Schweinfurter Straße:

Arbeitskreis kritisiert Verkehrsverantwortliche der Stadt

Zu Beginn der Woche gab die Stadt Würzburg eine Pressemitteilung heraus, die die Sperrung der Schweinfurter Straße für kommende Woche ankündigt. Derartige Baumaßnahmen müssen erfolgen. Die Art und Weise, wie die Stadt in dieser Sache mit dem Radverkehr umgeht, kritisiert der Arbeitskreis (AK) Eine Welt aus Versbach.
Die Mitglieder des kirchlichen Arbeitskreises, dem Veranstalter des Versbacher Fahrradsonntags, können nicht glauben, dass es der Stadt Würzburg im Jahre 2015 nicht gelingt, eine ausreichend sichere und befahrbare Umleitung zum Erreichen der Innenstadt für Fahrradfahrer aus Versbach und den anderen nördlichen Stadtteilen Lindleinsmühle und Lengfeld zu schaffen. Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung der Stadt:

»Stadteinwärts kann zwischen dem Europastern und der Beethovenstraße bzw. Schürerstraße auf Grund der beengten Verhältnisse keine Umleitung für Radfahrer angeboten werden.«

»Wir kommen weiter durch«, meinte heute ein Versbacher Radler auf der Strecke. »Wir können uns ja nicht in Luft auflösen!« Es bleibt unklar, was die Verkehrsverantwortlichen der Stadt motiviert, solch eine Pressemitteilung zu verfassen. Laut AK Sprecher Matthias Hart hätte die Stadt darauf hinweisen können, dass Radfahrern kein eigener Radweg angeboten werden könne und diese nun mit dem Verkehr auf der Straße fahren müssen. Das wäre zur Kenntnis, dass Radfahrer Teil des Würzburger Verkehrs sind und KFZ-Fahrer nun mit verstärktem Radverkehr auf der Strecke rechnen müssen, eine wichtige Information zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewesen.
Zudem könne gerade der Radverkehr eine spürbare Entlastung der Situation bringen. Es bleibt dem AK unverständlich, dass man nicht die Chancen erkennt, wenn sich viele Würzburger neu überlegen, wie sie einfach und schnell in die Stadt kommen. Statt die zu nutzen, sperren die Verkehrsverantwortlichen Radler lieber aus. Treffen eine Aussage, die unklar lässt, wie und ob Radverkehr aus dem Würzburger Norden an diesen Tagen noch legal und sicher in die Stadt kommen kann.
Eine solche Haltung, so Hart weiter, führt sicher nicht zu dem von Stadt und Stadtrat postulierten Ziel, attraktiver für den Radverkehr werden zu wollen. Ohne viel Nachdenken haben Leser der Facebookseite von Würzburgs Radfahrer Umleitungsstrecken entdeckt. Warum dies nicht die Verkehrsverantwortlichen der Stadt konnten, bleibt für den AK eine offene Frage.

Matthias Hart, Mittlere Heerbergstraße 11, 97078 Würzburg
fahrradsonntag@holla-die-waldfee.de

Eine Mögliche Umleitungsstrecke stellt sich über den Zinklesweg dar. Hierbei ist aus der bisherigen Pressemitteilung unklar, wie die tatsächliche Verkehrsführung zum Anschluss über die Grombühlbrücke erfolgen könnte. Matthias Hart
Eine mögliche Umleitungsstrecke stellt sich über den Zinklesweg dar. Hierbei ist aus der bisherigen Pressemitteilung unklar, wie die tatsächliche Verkehrsführung zum Anschluss über die Grombühlbrücke erfolgen könnte. © Matthias Hart
Eine weitere Möglichkeit böte der Rad-, und Fußweg entlang des Greinbergknotens mit Anschluss an die Beethofenstraße. Dort müsste allerdings der Anschluss und die Querung über die Straße geklärt werden da dieser gefährlich ist und nicht den Standards entspricht. Das gleiche gilt für die viel zu schmal ausgelegte Rampe für einen Zweirichtungsverkehr mit Fußgängern in der Gegenrichtung. Matthias Hart
Eine weitere Möglichkeit böte der Rad- und Fußweg entlang des Greinbergknotens mit Anschluss an die Beethovenstraße. Dort müsste allerdings der Anschluss und die Querung über die Straße geklärt werden, da dieser gefährlich ist und nicht den Standards entspricht. Das gleiche gilt für die viel zu schmal ausgelegte Rampe für einen Zweirichtungsverkehr mit Fußgängern in der Gegenrichtung. © Matthias Hart

 

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