Protokoll AG Radverkehr 2. 6. 2015

Treffen am 2. 6. 2015, 19–21 Uhr, Umweltstation Würzburg
Anwesende: Hans-Jürgen Beck, Andreas Boguschewski, Klaus Honsel, Jochen Kleinhenz, Peter Lelowski, Christian Loos

1. Radverkehrsbeirat – nächste Sitzung
Hans-Jürgen Beck hat noch einmal auf seine Rundmail hingewiesen, in der er für die nächste Sitzung des Radverkehrsbeirats Themenvorschläge formuliert und bereits an den OB Schuchardt versandt hat:
Stand der Ausweisung der Würzburger Innenstadt als Tempo 30-Zone.
Stand der Planung zur Umgestaltung der Verkehrsführung auf der Löwenbrücke und der Zufahrtsmöglichkeiten für den Radverkehr.
Möglichkeiten der Verbesserung der Radverkehrssituation auf der Alten Mainbrücke.
Rechenschaft der FA Tiefbau, in welchem Umfang sie an der Erstellung des Radverkehrskonzeptes beteiligt ist.
Umstellung aller Bettelampeln auf automatische Ampelschaltung für alle Verkehrsteilnehmer.
Alle Teilnehmer sprachen sich dafür aus, diese Themen in der nächsten Radverkehrsbeiratsitzung anzusprechen bzw. auch argumentativ zu unterstützen. Der Wortlaut dieser fünf Punkte in der Mail an OB Schuchardt folgt am Ende dieses Protokolls (Anhang 1).

2. Befahrung Problemstellen
Erneut brachten die Teilnehmer an den Befahrungen der Problemstellen (11. und 18. März 2015, jeweils vormittags), Hans-Jürgen Beck und Jochen Kleinhenz, ihre Kritik an Verhaltens- und Argumentationsmustern der Vertreter von FA Tiefbau, aber auch der Polizei zum Ausdruck. Aus der Befahrung resultierende Veränderungen in der Adalberostraße oder an der Auffahrt Rampe Löwenbrücke (ab Sanderglacis) beiten minimale Verbesserungen, belegen aber vor allem, dass von Seiten der FA Tiefbau keine nennenswerten positive, eigenständige Impulse ausgehen, was die Förderung des Radverkehrs angeht. Beide Befahrungen haben kleine Veränderungen gebracht, werden aber im Hinblick auf das von Stadtrat und OB getragene Generalziel Fahrradfreundlichkeit eher als erfolglos/vergebens gewertet.

3. Rolle der FA Tiefbau
Verhaltens- und Argumentationsmuster von Vertretern der FA Tiefbau waren auch sonst zentrales Thema, diskutiert an zwei zentralen Punkten:
Bettelampeln
Die rein rechnerische Argumentation für Bettelampeln seitens der FA Tiefbau (kürzere Umlaufzeiten, besser für alle) steht der »gefühlten« Benachteiligung von Fußgängern/Radfahrern an solchen Ampeln gegenüber: Fußgänger/Radfahrer »kommen immer zu spät, müssen drücken, während Autoverkehr automatisch bedient wird«, in der Argumentation der FA Tiefbau bleibt die »Leistungsfähigkeit des KFZ-Verkehrs« Maß aller Dinge. Das ist nach unserer Auffassung nicht vereinbar mit den Zielen von Stadtrat und OB hinsichtlich Fahrradfreundlichkeit. Bei der Neuanlage der Fußgängerampeln am Übergang Residenz–Hofstraße an der verbreiterten Furt wurden Bettelampeln neu installiert (vorher keine Anforderungstasten an Ampel).
FA Tiefbau und Radverkehrsplanung
Es wurde erneut bemerkt, dass die FA Tiefbau in Planung und Umsetzung von Maßnahmen für den Radverkehr nicht auf der Höhe der Zeit ist, die Vertreterin der FA bei der zweiten »Befahrung von Problemstellen« nicht einmal wusste, dass derzeit ein Radverkehrskonzept erstellt wird. Hans-Jürgen Beck will folglich beantragen, dass Vertreter von FA Tiefbau bei jeder Radverkehrsbeiratssitzung anwesend sein müssen, notfalls per Dienstanweisung durch OB. Fragen, die uns beschäftigen und die wir gerne von der FA Tiefbau beantwortet hätten:

  • Wie weit ist die FA Tiefbau auf Kenntnisstand bezüglich der Planung durch das von der Stadt beauftragte Büro Bayer?
  • Nimmt die FA Tiefbau die Stadtratsbeschlüsse ernst? Bisherige Aussagen von Vertretern und die in letzter Zeit durchgeführten Maßnahmen (aktuelles Beispiel: Radführung im neuen Kreiverkehr Friedrich-Ebert-Ring) legen die Vermutung nahe, dass kein nennenswertes Interesse an Fahrradfreundlichkeit/Verkehrswende in Würzburg vorherrscht.
  • Generell fällt permanent und negativ auf, dass die FA Tiefbau eigentlich einer Verbesserung der Situation für Radfahrer und Fußgänger zuarbeiten und von sich aus aktiver Ideen entwickeln müsste (in Planung/Ausführung), statt immer nur das allernötigste zu machen, unter Beibehaltung des (schlechten) Status Quo bzw. Verschlechterung desselben.

4. Verschiedenes
Es gibt nach wie vor keine offizielle Liste des Radverkehrsbeirats, die auch Stadträte, Vertreter von Verwaltung u.a. aufführt, den Radverkehrsbeirat also vollständig abbildet. Jochen Kleinhenz wird eine solche Liste bei Frau Pisanu anfordern (Anm.: bereits geschehen, noch keine Reaktion bisher).
Alte Mainbrücke: Zur Entschärfung der Situation auf der Brücke fordern wir die Einrichtung eines echten »shared space« dort, begünstigt durch z.B. Wegfall der Bordsteine (= nicht mehr benötigt durch Wegfall des AUtoverkehrs) – oder eben Wegfall der Stehtische, die aufgrund der vorhandenen Bordstein zu sehr in die Mitte der Brücke rücken.
Kurze Diskussion über mögliche Rechtsabbiegerspur am CCW in die Pleichertorstraße – Verwunderung herrscht darüber, dass offensichtlich von Seiten der Grünen (Patrick Friedl) eine solche Rechtsabbiegerspur befürwortet wird. Eine zusätzliche Spur würde eine deutliche Verschlechterung (Platzwegnahme) für Fuß- und Radverkehr am CCW bedeuten, Christian Loos argumentierte schlüssig für – falls überhaupt eigene Rechtsabbiegerspur nötig/gewünscht – eine Spurverlagerung: Derzeit befinden sich dort eine Linksabbiegerspur (Veitshöchheimer Straße), eine Geradeausspur und eine Geradeaus-Rechtsabbiegerspur. Sinnvoller wäre eine kombinierte Geradeaaus-Linksabbiegerspur, eine Geradeausspur und eine Rechtsabbiegerspur. Dadurch würde dem Fuß- und Radverkehr keine Fläche genommen.
Jochen Kleinhenz regte kurz an, sich über ein zweites Faltblatt Gedanken zu machen, mit neuen Themen, z.B. Maßnahmen der letzten Monate, neuer Radverkehrsbeirat, Planungsbüro Baier etc. Bitte an alle, sich hierzu Gedanken zu machen, so dass evtl. noch in diesem Herbst ein neues Faltblatt zum Thema Radverkehr, von uns herausgegeben, entstehen kann.

Anhang: Schreiben von Hans-Jürgen Beck an Oberbürgermeister Christian Schuchardt – die zentralen Punkte:

1. Stand der Ausweisung der Würzburger Innenstadt als Tempo 30-Zone.
Ich bitte um Bericht um den derzeitigen Stand der Ausweisung und um Möglichkeit der Aussprache darüber.
Begründung: Eine einheitliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h würde sich nicht nur auf die Feinstaubbelastung und das Unfallgeschehen allgemein sehr positiv auswirken, sondern auch für den Radverkehr. Die Geschwindigkeit würde sich dann durchgehend an das Tempo der langsameren Verkehrsteilnehmer anpassen und für mehr Sicherheit im Straßenraum sorgen – dort, wo ja auch der Radverkehr hauptsächlich stattfinden sollte und nicht zu Konflikten mit dem Fußgängerverkehr führt.

2. Stand der Planung zur Umgestaltung der Verkehrsführung auf der Löwenbrücke und der Zufahrtsmöglichkeiten für den Radverkehr.
Vor einiger Zeit wurde bereits eine erste Planung vorgelegt, die vom Radverkehrsbeirat nahezu einstimmig abgelehnt wurde. Es wäre interessant, zu erfahren, wie weit die Überarbeitung der Planung vorangeschritten ist und wann sie dem Radverkehrsbeirat erneut zur Diskussion vorgestellt werden.
Bezüglich der Einhaltung von Tempo 30 gibt es nach eigenen Beobachtungen auch etlichen Handlungsbedarf. Herr Düthmann möchte gem. seiner Aussage in der vorletzten Sitzung des RVB dieses Thema gerne aus den Beratungen des RVB heraushalten. Allerdings stellt sich bei den Befahrungen im März heraus, dass sowohl die Polizei als auch die FA Tiefbau nach eig. Aussagen hierzu nichts unternehmen wollen und meiner Ansicht nach die Problematik für den Radverkehr nicht erkennen. Insofern sollte dieses Thema ebenfalls im Radverkehrsbeirat diskutiert werden.

3. Möglichkeiten der Verbesserung der Radverkehrssituation auf der Alten Mainbrücke:
Es sollte nicht darum gehen, den touristisch und freizeitmäßig inzwischen hoch angesehenen »Brückenschoppen« an sich in Frage zu stellen, sondern zu eruieren, inwieweit gewisse für den Radverkehr, aber auch für zu-Fuß-Querende und für Gehbehinderte bestehende »Auswüchse« abgemildert werden können, v.a.:

  • Glasscherben auf der Brücke, die nicht erst an den Folgetagen, sondern unmittelbar beseitigt werden müssten,
  • Stelltische auf der ehemaligen Fahrbahn, um die sich Menschengruppen versammeln, und damit die eigentliche Behinderung darstellen. Eine Entfernung der Stelltische würde die Problematik enorm entschärfen.

4. Die FA Tiefbau ist zuständig für die Radverkehrs-Detail- und -Umsetzungsplanungen und für die Durchführung dieser Planungen im Straßenraum. Daher sollte ein Vertreter der FA Tiefbau bei der nächsten Sitzung darüber berichten, in welchem Umfang sie an der Erstellung des Radverkehrskonzeptes beteiligt ist und insbesondere darüber, welche Vorstellungen bezüglich der Umsetzung der ja bereits im Groben bekannten Planungen existieren und welcher zeitliche Rahmen für diese Umsetzung und welche zeitliche Abfolge dafür vorgesehen ist. Erste Vorstellungen hierzu können bereits beim derzeitigen Stand der Planung diskutiert werden und bedürfen meiner Ansicht nach nicht der endgültigen Fertigstellung des Konzeptes.

5. Bei den Befahrungen im März mit Vertretern der FA Tiefbau und der Polizei wurde von Seiten der Radverkehrsaktiven die Problematik der sog. »Bettelampeln« thematisiert, also Ampeln an ampelgeregelten Kreuzungen, die lediglich den motorisierten Verkehr auf der Straße automatisch mit Grünphasen bedienen, den Fußgängern oder Radfahrern Grünphasen aber nur auf Tastendruck-Anforderung gewähren. Die FA Tiefbau argumentierte für die Beibehaltung v.a. damit, dass der KFZ-Verkehrsfluss aufrechterhalten werden müsse, inakzeptabler KFZ-Rückstau vermieden werde und sich im Durchschnitt für alle Verkehrsteilnehmer verkürzte Wartezeiten ergäben. Diese sind aber für Radfahrenden und Fußgänger nicht erfahrbar, die Ampelschaltungen werden als massive Behinderungen wahrgenommen und stehen daher im Gegensatz zu der von der Stadt intentierten Imagekampagne für den Radverkehr. Radfahrende fühlen sich nicht ernstgenommen, wenn sie an der Ampel warten müssen und der parallele KFZ-Verkehr fließen darf.
Im Radverkehrsbeirat sollte daher unter Einbezug von Vertretern der FA Tiefbau eine Diskussion stattfinden, inwieweit eine Änderung der Ampelschaltung hin zu automatischen Schaltungen auch für Radfahrende und Fußgänger einen wichtigen Beiträg für die Verbesserung der Radverkehrsverhältnisse, für die Leistungsfähigkeit des Radverkehrs und zur Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrende und damit auch einen wichtigen Beitrag für die Imagekampagne darstellt.

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