Protokoll AG Radverkehr 17. 12. 2014

Treffen am 17. 12. 2014, 19–21 Uhr, Umweltstation Würzburg
Anwesende: Hans-Jürgen Beck, Thorsten Becker, Andreas Boguschewski, Manfred Dürr, Eva Englert, Jochen Kleinhenz, Peter Lelowski, Claudius Stanke, Friedrich Weltz

1. Netzgestaltung Radverkehr
Friedrich Weltz brachte die Pläne mit, auf denen das Büro Baier sämtliche Radverkehrsrouten in Würzburg (plus Anbindung an Umgebung) eingezeichnet hat. Ziel sei die Entwicklung eines hierarchisierten Netzes mit Haupt- und Nebenachsen – Büro Baier wird Empfehlungen aussprechen und einige ausgewählte Detaillösungen vorschlagen, aber sicher nicht das komplette Netz durchplanen.
Fragen an uns: Welche Straßen sind geeignet? Welche Verbindungen sind wichtig, welche weniger wichtig?
Manfred Dürr betonte, dass eine kontinuierliche, einheitliche Führungsform Priorität haben muss als Voraussetzung für die Entwicklung einer »Kultur« mit Klarheit für Rad- und Autofahrer. Unsichere Radwege fördern den Radverkehr nicht, wir brauchen Mindeststandards bezügl. Länge und Sicherheit statt dem derzeit praktizierten Stückwerk je nach vorhandenem Platz.
Hans-Jürgen Beck verwies auf die Radtrasse 1 und das aktuelle Durcheinander aus unterschiedlichen Lösungsversatzstücken ohne Einheitlichkeit. Folge: Radfahrer in Würzburg fahren (notgedrungen) frei Schnauze bzw. nach eigenem Gutdünken (Straße/Radweg/Gehweg).
Dürr sprach sich für ein Orientierung weg vom »Idealzustand« aus, um wenigstens auf einem niedrigeren Level Einheitlichkeit zu erreichen.
Beck empfahl, sich an der STVO zu orientieren: Radfahren auf der Straße bevorzugen, Tempo 30 und Radstreifen/Schutzstreifen.
Auch Andreas Boguschewski vertrat die Überzeugung, dass, wo kein Platz für konsistente Radwegeführung sei, der Radverkehr auf der Straße integriert werden sollte und damit Tempo 30 für weite Teile des Stadtgebiets unerläßlich ist. Innerhalb des Glacisbereich (»Bischofshut«) Tempo 30 und keine eigens ausgewiesenen Radwege wäre die ideale Lösung für die Innenstadt (Friedrich Weltz).
Boguschewski und Weltz könnten sich ein Exempel anhand der Versbacher Straße vorstellen, mit breitem Radweg beideseitig (Umweltstreifen für Fahrrad und Busse) durch Umgestaltung der überflüssigen, nicht benötigten zusätzlichen Autospuren. Auch Peter Lelowski möchte gerne überdimensionierte Schneisen rückbauen und sinnvoll für Radverkehr umgestalten.
Eva Englert stellte die Frage nach dem Planungstand am Europastern (Planung durch ein weiteres Büro), der hauptsächlichen Problemstelle für die Radverbindung zwischen Versbach und der Innenstadt. Laut Weltz stehen aktuell keine Gelder mehr zur Verfügung, eine Planung liegt aber vor.

Manfred Dürr möchte dem Büro Baier Routen benennen und um Vorschläge/Alternativen bitten, Hans-Jürgen Beck meinte jedoch, Büro Baier hätte bereits viel Input bekommen über Verbände (ADFC, VCD u.a.), z.B. Unterlagen für den AGFK-Aufnahmeantrag der Stadt, das Büro könnte also erstmal arbeiten. Laut Peter Lelowski gilt gleiches für die Problemstellen auf den derzeitigen Routen, die AG Sicherheit hätte beim Workshop am 10.12. ebenfalls eine ausführliche Liste abgeliefert. Auch wurden unsere grundsätzlichen Vorstellungen vom Büro abgefragt: Radverkehr wo möglich auf der Straße
Jochen Kleinhenz stellte die Frage nach der Berechtigung der permanenten Umplanungen und Verwässerung bzw. dem Belassen von Parkplätzen auf der Fahrbahn (Beispiel Route 1 Erthalstraße) – Radfahrer als fließender Verkehr müssen Vorrang vor stehendem Verkehr haben, das muss Grundsatz der städtischen Planung sein. Evtl. müsste einmal geprüft werden, ob hier nicht möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßen wird.
Eva Englert kritisierte, dass bei aktuellen Straßen-Baustellen vorherige schlechte Zustände exakt gleich wiederhergestellt werden (Semmelstraße, Bahnhofstraße etc.), und auch Friedrich Weltz meinte, die Stadtführung müsste eindeutiger Richtlinien für die Zukunft setzen und 10–20 Jahre nach vorne schauen.

2. Imagekampagne/Öffentlichkeitsarbeit
Jochen Kleinhenz fragte, ob aufgrund personeller Überschneidungen der RVB-Workshop evtl. mit der AG Radverkehr verknüpft werden könne. Hans-Jürgen Beck sah das eher skeptisch und betonte, dass bei diesem Thema hohe Konzentration nötig sei sowie eine gute Vorbereitung für das erste Treffen im Januar. Claudius Stanke brachte die Frage nach den Zielgruppen und geeigneten Medien auf:
Verwaltung und Politik als eigene Zielgruppe.
Image- und Aufklärungskampagne, nicht nur lockere Slogans, sondern auch Informationen liefern.
Beispiele aus anderen Städten heranziehen (AGFS, Nürnberg etc.).
Laut H.-J. Beck sollte ein professionelles Büro die Imagekampagne tragen.
Manfred Dürr regte an, Ziele zu formulieren:
Radfahrer ermutigen, ihre Rechte einzufordern.
Autofahrer informieren, dass Radverkehr auf die Straße gehört.
Was soll erreicht werden durch die Imagekampagne?
Gibt es »Starterpacks« von der AGFK? Impuls an die AGFK, so ein Basismaterial zu entwickeln.
Claudius Stanke erwähnte die vorhandenen Angebote und Aktivitäten in der Stadt wie »Stadtradeln«, »Mit dem Rad zur Arbeit«, »Tour mit Herz« etc. und empfahl, bestehende Angebote und Aktivitäten zu nutzen, auszuweiten und in die Imagekampagne zu integrieren.
Peter Lelowski empfahl die Arbeit mit Schulen, Jugendeinrichtungen und Kindergärten – Jochen Kleinhenz meinte, das wäre ideal, weil dadurch auch die entsprechenden Eltern informiert würden (»Helikoptereltern«). Es wurde erneut auf die unhaltbaren Zustände vor den Schulen bei Schulbeginn und -ende (Bring- und Holdienste der Eltern mit dem Auto) hingewiesen. Claudius Stanke betonte die gravierenden Unterschiede bei Schulen – während manche Grundschulen sich deutlich gegen das Radfahren aussprechen, wird es an anderen Schulen sehr gefördert, z.B. an der Heuchelhofschule.

3. Schreiben Handlungskatalog/Treffen Schuchardt/Schreiben FA Tiefbau
Die Antwort von Jörg Roth auf das gemeinsame Schreiben von ADFC, VCD, Grünen und AG Radverkehr wird als »Verzögerungstaktik« eingestuft, die Terminkoordination läge mittlerweile bei Frau Pisanu. Ein neuerliches Schreiben wird von Jochen Kleinhenz überarbeitet und von Claudius Stanke verschickt (Anmerkung: am Freitag, 17.12. erledigt).

4. Situation Löwenbrücke
Hans-Jürgen Beck brachte den Vorschlag ein, einen Steg an der Südseite anzuhängen und den Gehweg zu belassen. Peter Lelowski schätzt das bisherige Ausbleiben einer positiven Reaktion auf die Gegenvorschläge zur Planung von FA Tiefbau als Geringschätzung unseres Engagements ein. Bisher gab es keine Antwort an die AG Radverkehr, z.B. von der FA Tiefbau.
Hans-Jürgen Beck verwies auf die mangelhafte Kontrolle bei Tempo 30 auf der Löwenbrücke, das effektiv nicht eingehalten würde.
Manfred Dürr verwies noch einmal auf die zweifelhaften Aussagen städtischerseits bezügl. Baukosten (3 Mio), angeblichen Fernwärmeleitungen in Brücke (Baumgart) etc.
Claudius Stanke hakt nach und fordert Infos zum aktuellen Planungsstand ein.

5. Sonstiges
Das nächste Treffen der AG Radverkehr findet im Anschluss an das Workshop-Treffen im Januar statt, das von Jochen Kleinhenz terminlich koordiniert wird.

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